Prof. Dr. Dipl.-Psych. Heiko Roehl
Geschäftsführer Kessel & Kessel GmbH, Berlin

Heute wissen, was morgen zählt.
Dynamisches Kompetenzmanagement als Herausforderung.

Seit Jahrzehnten sind die Cassandrarufe besorgter Wissenschaftler allgegenwärtig: Unsere Welt soll unübersichtlicher werden, komplexer und für den/die einzelne/n immer weniger vorhersehbar. Die transdisziplinäre Disziplin der strategischen Vorausschau („Strategic Foresight“) hat dafür bereits vor 2 Jahrzehnten das Akronym VUKA erfunden. Es steht für die Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität unserer neuen Zeit. Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, globale Vernetzung und weitere Entwicklungen haben unsere Gesellschaften verändert, und sie verändern sich in zunehmendem Maße in einem rasanten technologie- und ökonomiegetriebenen Wettbewerb. Inzwischen sind viele der Zukunftsszenarien längst im Alltag angekommen. Und wir spüren die steigende Komplexität allerorten. Nicht nur hat sich die Halbwertszeit des Wissens in vielen Disziplinen drastisch verringert (Wissen wird also immer schneller entwertet), es wird auch immer aufwändiger für den/die einzelne/n, sich überhaupt noch auszukennen.

Für Organisationen hat diese Unübersichtlichkeit dramatische Konsequenzen. Der strategische Anpassungsdruck steigt. Agilität, Elastizität und Flexibilität in Purpose, Aufbau und Abläufen der Organisation werden überlebenswichtig. Fokussieren wir auf die Frage, was in der Organisation von morgen gewusst werden muss, offenbart sich ein Dilemma: Auf der einen Seite muss heute schon erkannt werden, was die (Engpass!-) Kompetenzen der kommenden Jahr sein werden, um sich in Ausbildung und/oder Recruitment darauf vorzubereiten. Auf der anderen Seite altert diese Prognose selbst immer schneller. Was heute für die Zukunft relevant scheint, muss es morgen nicht wirklich sein. Die Digitalisierung beschleunigt technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in einer Weise, die auch das Lernen grundlegend verändert: Wissen und Kompetenzen können in Zukunft immer weniger auf Vorrat ausgebildet werden.

Der Vortrag präsentiert einen dynamischen Ansatz zur Analyse der gegenwärtig und zukünftig benötigten Kompetenzbedarfe, der ein reflexives und iteratives Vorgehen ermöglicht. Er basiert auf einem Diskussionspapier der ACATECH  (Hrsg. v. Joh. Christian Jacobs, Henning Kagermann, Heiko Roehl, Dieter Spath) aus 2021.