Prof. Dr. Xuewu Gu
Direktor des Center for Gobal Studies, Universität Bonn

Belt and Road - Was bedeutet Chinas Neue Seidenstraße für Asien, Europa und die Welt?

Die „Belt and Road“ Initiative (BRI), 2013 von Chinas Staatspräsident Xi Jinping angekündigt, stellt das bislang größte und ambitionierteste Investitionsprojekt der Welt dar. Sie begeistert und verunsichert die Welt zugleich. Allein das geplante Investitionsvolum in Höhe von 1,2 Billionen US-Dollar, der Einzugsbereich von über 65 Ländern in Asien, Afrika und Europa mit 4,4 Milliarden Menschen und 40 Prozent der Weltwirtschaftsleistung berechtigen die Fragen nach dem Sinn und Zweck dieses gigantischen Projektes.

Sechs Jahre nach dem Start des Projektes lässt es unschwer erkennen, dass es sich bei der BRI offenbar um ein weltpolitisches Projekt handelt, mit dessen Realisierung die VR China ihren Aufstieg zur Weltmacht im Blick auf die Rivalität mit den USA effektiv absichern will. Aus der Sicht der chinesischen Regierungselite wäre der Aufstieg Chinas zur Weltmacht als bereits vollendet zu betrachten, wenn es die USA nicht gäbe. Amerika bleibt daher für sie unter diesem Aspekt ein unsicherer Faktor für das Land, der durch eine ungewöhnliche Initiative mit weltweiter Beteiligung neutralisiert werden sollte. Dabei vertritt die Regierung Xi die Überzeugung, dass ein stabiles Zentralasien, ein starkes Russland, ein boomendes Eurasien und ein prosperierendes Europa im Interesse Chinas blieben, wenn es den Wettbewerb mit den USA überstehen wolle. Selbstbewusst und selbstberauscht gehen sie davon aus, dass ein China, das weder Revolution noch Armut, sondern Güter, Dienstleistungen und Kapital exportiere, von der Welt grundsätzlich als Partner für Frieden und Wohlstand akzeptiert wird.